Preiskämpfe in Ausschreibungen: Das günstigste Angebot gewinnt selten

Wenn der Preis im Wettbewerb zum einzigen Kriterium wird

Sie kennen das: Ihr Unternehmen liefert Top-Qualität, hat zufriedene Kunden und trotzdem fliegen Sie bei Ausschreibungen reihenweise raus – der Auftrag geht an den günstigsten Bieter. Aber stimmt das wirklich? Oder liegt das Problem ganz woanders? Heute habe ich mit dem Geschäftsführer eines Weltklasse-Unternehmens gesprochen, das Gussteile für die Automobilindustrie herstellt. Technologisch stark, hohe Qualität, absolute Liefertreue - und trotzdem verlieren sie einen Preiskampf nach dem anderen. Das Paradoxe: Ihre höheren Preise sind fachlich und kaufmännisch vollkommen gerechtfertigt. Aber in der Welt der RFQs (Request for Quotation) zählt oft nur eine Zahl. Ob bei öffentlichen Ausschreibungen oder im industriellen Einkauf – das Muster ist immer dasselbe: Anbieter werden auf ihre Preise reduziert.

Das wahre Problem bei Preiskämpfen in Ausschreibungen

Die potenziellen Auftraggeber senden Preisanfragen - reine Tabellenvergleichbarkeit. Und genau hier liegt der Hund begraben: Wer sich auf dieses Spiel einlässt, hat schon verloren. Denn RFQs sind kein Verkaufsprozess. Sie sind ein Einkaufsinstrument des Vergabeverfahrens, das systematisch Differenzierung verhindert und den Zuschlag fast ausschließlich vom Preis abhängig macht. Das Unternehmen fliegt nicht raus, weil das Angebot schlecht ist. Es fliegt raus, weil es sich in einem Format bewerten lässt, das es strukturell gar nicht gewinnen kann. Der Vertrieb arbeitet hart, der Einsatz ist hoch - aber die Abschlüsse bleiben aus.

Die operative Falle

Was passiert typischerweise in solchen Situationen? Man optimiert Preise, diskutiert die Kostenstruktur, gibt Rabatte. Man erhöht den Druck auf den Vertrieb. Man versucht, Angebote noch schneller zu erstellen und RFQs noch effizienter zu beantworten. Aber all das zeigt nur eines: Sie sind in der operativen Falle gefangen. Das eigentliche Problem ist nicht, dass Ihr Unternehmen zu teuer ist. Das Problem ist, dass Sie sich als Anbieter in eine Vergleichbarkeit hineinziehen lassen, die Sie strukturell nicht gewinnen können.

Vergleichbarkeit ist eine Entscheidung, keine Naturgewalt

Hier kommt der entscheidende Punkt: Wer Preis zum Hauptkriterium macht, der verliert, wenn er nicht der Billigste ist. Die Frage lautet also nicht: "Wie gewinnen wir mehr Ausschreibungen?" Die richtige Frage ist: "In welchen Märkten, bei welchen Kunden und mit welchen Angeboten wollen wir überhaupt vergleichbar sein?" Mein alter Boss Neil Klein in UK hat mir mal gesagt: "Armin, ich gewinne alle Deals." Als ich nachfragte, wie das möglich sei, sagte er: "Weil ich mich aus denen zurückziehe, die ich gar nicht gewinnen kann."

Drei strategische Auswege aus Preiskämpfen

In vergleichbaren Situationen sehe ich immer wieder drei Richtungen, die erfolgreich sind:
  1. Neue Marktsegmente erschließen Nicht dort kämpfen, wo heute alle kämpfen. Sondern dort hingehen, wo andere Entscheidungskriterien gelten.
  2. Die richtigen Auftraggeber fokussieren Suchen Sie sich Kunden, die konkrete Probleme lösen wollen. Kunden, für die Ausfallrisiken, Qualität, Liefersicherheit oder regulatorische Anforderungen wichtiger sind als der letzte Prozentpunkt im Preis.
  3. Das Angebot neu definieren Nicht besser im bestehenden Markt, sondern einzigartig in einem neu definierten. Das können zusätzliche Leistungen sein, Garantien, Risiko-Übernahmen, Risk-and-Reward-Modelle oder völlig neue Anwendungsfälle. Wer sein Angebot so definiert, dass es nicht mehr direkt vergleichbar ist, verändert die Spielregeln der Ausschreibung.

Strategie statt operativer Optimierung

Operativ spüren Sie die Auswirkungen zuerst - aber die Ursache liegt tiefer. Es geht nicht um ein Vertriebsproblem oder eine Führungsfrage im engeren Sinne. Es geht um strategische Unternehmensführung. Strategische Unternehmensführung bedeutet: Märkte aktiv gestalten, statt sich von ihnen treiben zu lassen. Wer sich klar positioniert und den eigenen Rahmen definiert, wird seltener verglichen. Wer ihn akzeptiert, kämpft im Wettbewerb ausschließlich über den Preis.

Drei klare Entscheidungen für profitables Wachstum

Unternehmen, die profitabel wachsen, treffen drei klare Entscheidungen:
  1. Nicht jeder Auftrag ist ein guter Auftrag - Sie qualifizieren rigoros
  2. Nicht jeder Kunde ist der richtige Kunde - Sie wählen bewusst aus
  3. Nicht jede Anfrage verdient eine Antwort - Sie sagen auch mal Nein
Das ist unbequem, aber notwendig. Denn wer sich dauerhaft vergleichen lässt, verliert Gestaltungsfreiheit. Und ohne Gestaltungsfreiheit gibt es keinen Vorsprung. Haben Sie geprüft, welche Ausschreibungen wirklich zu Ihrem Profil passen?

Raus aus der Vergleichbarkeit – rein ins Wachstum

Wenn Sie immer wieder in Preiskämpfen bei Ausschreibungen festhängen, liegt das selten an der Qualität Ihres Angebots. Oft fehlt die Klarheit darüber, wo operative Aktivität an ihre Grenzen stößt und welche strategischen Entscheidungen wirklich anstehen. In genau solchen Situationen werde ich häufig hinzugezogen - um Ordnung in komplexe Lagen zu bringen, neue strategische Entscheidungsräume zu öffnen und die Weichen für langfristig profitable Vertragsbeziehungen zu stellen. Sie erreichen mich persönlich unter info@lessonstogrow.de Ihr Armin P.S.: Nicht vergessen - raus aus dem Stillstand, rein ins Wachstum. It's all about growth!

Weitere Insights zu strategischer Unternehmensführung und profitablem Wachstum finden Sie im Podcast "Lessons to Grow" - überall, wo es Podcasts gibt.
Blaues Bild mit weißem Text: „OPENING DOORS. MAKING YOU GROW.“ und „ARMIN L RAU“ sowie Logo.